Geschichte als Aufklärung - Zur Krise eines liebgewonnenen Denkmodells

26. April, 20.00 Uhr
Veranstaltungsort:
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8 10117 Berlin
Mitte
Art der Veranstaltung:
Diskussion, Vortrag
Thema:
Politik, Soziales
Kontakt: Telefon:
E-Mail:
Eintritt frei
Die Erinnerungskultur in West- und Ostdeutschland nach 1945 war geprägt von einem Paradigmenwechsel: Das Gedenken orientierte sich an einem Menschenbild, das Solidarität und Empathie in den Mittelpunkt stellte. Es rückte an die Opfer ins Zentrum der Erinnerungspolitik. Diese Geschichtskultur ging einher mit der Aufforderung, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit war und ist die Grundlage für die ungebrochene Fortschrittserzählung der deutschen Gesellschaft, die auch durch das Epochenjahr 1989 nicht in Frage gestellt wurde. Sich von einer unheilvollen Vergangenheit abzugrenzen, galt lange als Identitätskern eines zukünftigen Europas. Eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“, die Björn Höcke in seiner Dresdner Rede im Januar 2017 forderte, war der bewusste Angriff auf diese Geschichtspolitik. Dieser Kulturkampfrhetorik liegt die Denkfigur einer homogenen Gesellschaft („Wir sind das Volk“) zugrunde. Ein brachialer Selbstbehauptungswille zwingt die Verteidiger/innen eines aufgeklärten Menschenbildes in die Defensive. Ist die bisher gültige Übereinkunft der Abgrenzung von einer unheilvollen Vergangenheit in der Krise? Steht ein aufklärerisches Geschichtsbild damit insgesamt in Frage? Mit: Prof. Dr. Martin Sabrow, Humboldt-Universität Berlin, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam Moderation: Alfred Eichhorn, Journalist und Radiomoderator
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